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Advertorial

Von Menschen und Büchern

Commerce
Im Oktober 2020 übernahm Danie die Reliure in Gasperich samt Mitarbeiterinnen. Fotos: Guy Jallay

Eine Reise in die faszinierende Welt der Buchbinderei

Commerce 01.03.2021
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Erzählt Danie Köller-Willems von ihrem Beruf, färbt ihre Begeisterung augenblicklich auf den Zuhörer ab. Denn Buchbinderei und -restaurierung ist für sie weit mehr als nur ein Broterwerb – es ist eine Herzensangelegenheit, die sie mit viel Hingabe und Leidenschaft ausübt.

Und diese Leidenschaft kommt nicht von ungefähr. Denn Danie wurde ihr Métier sozusagen in die Wiege gelegt. Es war also nur ein logischer Schritt, dass sie 1990 ihre Lehre – wie nicht anders zu erwarten – bei Buchbindermeister Edy Willems, ihrem Vater, anging.

2004 gründete die Buchbindermeisterin, nach einer dreijährigen Weiterbildung in Paris zur Restaurierung von Papier und Einbänden ihr eigenes Atelier zuhause in Noertzange, das einzige seiner Art im Großherzogtum. Hier setzt sie in die Jahre gekommene oder beschädigte Bücher wieder in Stand. Dazu sind vor allem eine ruhige Hand sowie absolute Materialkenntnis gefragt. Denn jedes Buch ist eine Herausforderung.

Auf die Frage, welche ihre bis dato interessanteste Arbeit sei, weiß Danie prompt eine Antwort: „Ganz klar mein allererstes Werk! Hier durfte ich die „Déscription de l’Egypte“ restaurieren. Dabei handelte es sich um kein geringeres als das Exemplar aus der Bibliothek des Großherzoglichen Palastes!“

Jedes Buch ist einzigartig

Für sie ist aber jeder Auftrag von großer Bedeutung: „Jedes Stück ist etwas ganz besonderes und erzählt seine ganz eigene Geschichte!“ Alten Einbänden, die oft viel zu schnell im Altpapier landen, kann Danie ein neues Leben schenken. Meistens können die Seiten repariert und sogar der Originaldeckel ganz oder teilweise wieder eingefügt werden. „Es ist wundervoll, ein Buch, etwa ein Familienerbstück, das jemandem sehr am Herzen liegt, aber in die Jahre gekommen ist, wiederherzurichten und zuzusehen, wie der Kunde es, nach vollendeter Arbeit, durchblättert.“

Neben ihrer Arbeit in Noertzange bildet die Buchbinderin im Lycée Technique des Arts et Métiers Schüler aus Luxemburg und Deutschland aus. Für sie ein besonders wichtiger Teil ihrer Arbeit. „Obwohl es bereits seit Jahrhunderten existiert, ist das Handwerk relativ unbekannt. Dementsprechend ist die Nachfrage zur Ausbildung eher gering.“ Trotzdem, oder gerade deswegen, macht es der sympathischen Unternehmerin ausgesprochen Spaß, ihre Passion mit jungen Leuten zu teilen. „Ich bin überzeugt davon, dass das Buch uns immer erhalten bleiben wird. E-Reader und Co. sind zweifellos sehr praktisch und haben eine absolute Daseinsberechtigung, aber nichts wird jemals das Gefühl eines Buches in den Händen ersetzen können. Und so lange es sie gibt, wird auch der Buchbinder gebraucht!“

„Rien ne se perd…“

Und dass dieser gebraucht wird, hat sich im Oktober vergangenen Jahres gezeigt, als der Verkauf der hauptstädtischen „Reliure Saint-Paul“ angekündigt wurde. Für Danie eine absolute Ehrensache: „Nach einem kurzen Gespräch mit Saint-Paul-Generaldirektor Paul Peckels und dem Segen und der positiven Unterstützung meines Mannes Carlo und der ganzen Familie gab es für mich keinen Zweifel mehr und die Übernahme war recht schnell eine beschlossene Sache.“ Und ein bereits eingespieltes Team gab es obendrauf! „Es hat einfach alles auf Anhieb gepasst! Es macht Spaß, Kenntnisse und Techniken miteinander zu teilen und voneinander zu lernen, um so noch effizienter zu arbeiten.“

In Gasperich besteht die Aufgabe des dreiköpfigen Teams hauptsächlich darin, verschiedenste Dokumente wie etwa, Zeitschriften, lose Blätter, Thesen usw. zu einem Buch zusammenzufügen. Ihre Aufträge reichen von Einbänden für Gemeinden, Anwälte, Notare, über besondere Wünsche von Privatkunden wie etwa Sammelbände, Kochbücher, Fotoalben, Kisten und Schuber bis hin zu Bachelor- und Masterarbeiten und ganz speziellen Aufträgen von Druckereien und Autoren. Material, Form und Farbe kann sich der Kunde ganz individuell aussuchen, Titel und Dekore werden passend auf Rücken oder Vorderdeckel vergoldet. Auch Livres d’Or, ganz in Leder mit Lederintarsia, Goldschrift und Goldschnitten an den Kanten werden regelmäßig in Auftrag gegeben.

Blick in die Zukunft?

„Nun ja, als die Kinder noch klein waren, war es natürlich äußerst praktisch, von zuhause aus arbeiten zu können“, gesteht die vierfache Mutter. „In Zukunft möchte ich den Menschen die Leidenschaft für meinen Beruf aber noch näher bringen. So habe ich beschlossen, ab dem nächsten Jahr Buchbindekurse für Privatpersonen anzubieten.“

Nathalie Burg