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Emwelt & Gesondheet

Uraltes Gehölz

Von der Kunst einen Bonsai zu züchten

Emwelt & Gesondheet 02.11.2020
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Der Bonsai ist ein Baum, der von Menschenhand gestaltet und in eine Schale gepflanzt wurde. Foto: B. Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

Bonsai-Bäume als Zierpflanzen sehen schön aus – machen aber auch viel Arbeit. Dafür werden die kleinen Bäumchen aber mit der richtigen Pflege mehrere hundert Jahre alt.

Der Bonsai ist schon eine Kunst für sich. Grundsätzlich kann er so alt werden wie die Baumart selbst in der Natur. Bei Laubbäumen können das durchaus 200 bis 300 Jahre sein. Und es gibt sogar als Bonsai gezogene Weinstöcke, die deutlich älter sind.

Der Bonsai-Lehrer Werner M. Busch weist darauf hin, dass natürlich nicht jeder Baum im Topf sofort ein Bonsai ist. Er erklärt: „Das Gehölz soll so aussehen, wie die Miniatur eines ausgewachsenen Baumes in der Natur.“

Entsprechend muss der Wuchs mit Drahten so gelenkt und das Astwerk so geformt werden, dass sich die Pflanze entsprechend verwandelt.

SOS Faim

Zehn Jahre Arbeit für ein erstes Ergebnis

Es gibt nach Angabe von Busch zwei Herangehensweisen für das Formen von Gehölzen. „Man sät ein Gehölz aus, und die Jungpflanze wird anschließend regelmäßig zurückgeschnitten.“ Dafür muss man mindestens zehn Jahre einplanen, bis ein Ergebnis deutlich sichtbar wird.

Alternativ kann man auch mit Rohlingen arbeiten, die in Baumschulen herangezogen werden. „Sie werden klein gehalten und bilden schon mal einen dicken Stamm“, sagt Busch. Als bevorzugte Arten nennt Bonsai-Fachhändler Martin Müller Nadelgehölze wie Kiefern, Wacholder, Fichten, Lärchen und Eiben. Als Laubbäume werden Ulmen und Buchen häufig geformt.

Schere, Zange, Schaufelkralle

Die Liste des gärtnerischen Werkzeugs für das Hobby ist recht kurz: eine spitze, scharfe Bonsaischere für dünne Äste, eine Konkavzange für dickere Äste, eine Drahtzange und eine Schaufelkralle. Zum Drahten braucht man eloxierten Alu-Draht in verschiedenen Stärken. Das Drahten ist neben dem Schneiden einer der wichtigsten Handgriffe zum Formen des Bonsai.

„Die jungen Äste werden mit dem Aludraht schonend umwickelt und positioniert“, erläutert Busch. Je älter ein Baum ist, desto mehr stehen die Äste waagerecht, weil das Eigengewicht sie nach unten zieht. Mit dem Draht kann das Bild des alten Baumes nachempfunden werden.

Mit der Bonsaischere werden junge Triebe zurückgeschnitten, um die Verzweigung anzuregen. Der Rückschnitt dickerer Äste wird mit der Konkavzange ausgeführt. So verheilt der Rückschnitt schneller und die Schnittstelle ist nicht sichtbar. „Das ist entscheidend für den Wert eines Bonsai-Baumes: Die Eingriffe in den Wuchs sollten unsichtbar bleiben“, betont der Bonsai-Lehrer.

Reichlich Wasser und die passenden Nährstoffe

Entsprechend wichtig ist auch die Nährstoffversorgung. Busch rät dazu, im Freien organische Dünger zu verwenden. „Die Nährstoffe werden gleichmäßig freigesetzt und entsprechend verbraucht.“ Heimische Baumarten werden ganzjährig im Freiland kultiviert. Daraus ergeben sich die Ansprüche an den Standort: Während Buchen und Hainbuchen den Halbschatten bevorzugen, stehen Kiefern, Lärchen und Apfelbäume nach Angabe des Bonsai-Lehrers auch sonnig. Wenn ein Bonsai erst einmal seine Form hat, besteht die Pflege in erster Linie in der Wasser- und Nährstoffversorgung. Vor allem in den Sommermonaten kann es erforderlich sein, zweimal am Tag zu gießen. dpa