Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Advertorial

Es lässt sich gut leben am nördlichsten Zipfel

Spezial
Die Gemeinde Ulflingen setzt sich aus acht Dörfern zusammen und zählt etwa 3 400 Einwohner.

Gemeinde Ulflingen geht mit Zuversicht in die Zukunft

Spezial 22.09.2022
Anzeige


Ëlwen/Troisvierges/Ulflingen, drei Namen für eine Ortschaft und die gleichnamige Gemeinde mit acht Dörfern, 3 400 Einwohnern auf einer Fläche von 37,9 Quadratkilometern. Sie ist am nördlichsten Zipfel des Landes auf den von rauen Winden umgarnten Oeslinger Koppen gelegen.

Krestaurant Brasserie Burrigplatz

Als Troisvierges bezeichneten Einwohner aus den wallonischen Provinzen die Pilgerstätte der hl. drei Jungfrauen (Troisvierges) „Fides Spes Charitas (Glaube, Hoffnung, Liebe). Für die Bezeichnung „Ulflingen“ gibt es dem hingegen unterschiedliche Deutungen. Hier könnte der Name „Wulflingen“, also ein der Wolfsjagd entnommenes Wort, Pate stehen. „Ëlwen“ dürfte eine volkstümliche Umdeutung von Ulflingen sein.

Bürgermeister Edy Mertens „Elwener Biergerlëscht (EBL)“ sieht im Gespräch mit dem „Luxemburger Wort“ seine Gemeinde für die Zukunft gut aufgestellt. Der 68-Jährige sieht sich als Hausarzt vom alten Stil, zu jedem Moment für seine Patienten ansprechbar. Er praktiziert in Clerf. Von 2013 bis 2018 saß er für die DP im Parlament. Er steht der Gemeinde in einer zweiten Mandatsperiode vor.

Wohnungsbau und Tourismus

Um einer Überlastung der gemeinschaftlichen Infrastrukturen in der Gemeinde vorzubeugen, setzt die Politik auf ein gesteuertes Wachstum bei der Entwicklung der Dörfer. So verfügt etwa die Gemeinde über eigene Grundstücke zur Erschließung von bezahlbarem Wohnraum für junge Einwohner aus der Gemeinde. Am Ort genannt „Berenschäppchen“ in Ulflingen ist der Bau von 120 Wohneinheiten geplant. Die erste Phase soll 2026 bezugsfertig sein. In Ober- und Niederbesslingen erwarb die Gemeinde ein 1,9 Hektar großes Areal für ein gleichgeartetes Wohnprojekt.

Viel Geld floss in die Optimierung des Freizeitareals im Herzen von Ulflingen und einem großen Angebot an sportlichen Betätigungen. Freiluftschwimmbad, Kinderspielplatz sowie Außentennisfelder nebst Tennishalle erfreuen sich eines regen Zuspruches. Der Campingplatz ist gut ausgelastet. Der Großteil der Touristen kommt während der Sommermonate aus Belgien und den Niederlanden.

Der Campingplatz wurde in Eigenregie für etwa 350 000 Euro instandgesetzt, ursprünglich sollten die Arbeiten 6 bis 7 Millionen Euro kosten.


Ulflingen gilt als beliebtes Urlaubsziel unter belgischen und niederländischen Touristen. Fotos: Guy Henckes

Eisenbahn-Verkehrsknotenpunkt

Die Eisenbahn prägte erheblich den demografischen und wirtschaftlichen Aufschwung. Denn Ulflingen liegt an der 1866 eröffneten Eisenbahnlinie von Luxemburg nach Lüttich. Zwischenzeitlich verdienten mehr als 1 000 Arbeitnehmer aus der Region ihr Brot bei der Eisenbahn. Viele Pendler nutzen heute noch die Bahn zur Fahrt zu ihren Arbeitsstellen. Die Fahrzeit nach Luxemburg-Stadt beträgt etwa eine Stunde. Die Auswirkungen des Tunneleinsturzes bei Kautenbach vor einigen Wochen sind noch nicht überschaubar.

Bei Ulflingen zweigt die Linie der ehemaligen Vennbahn über Huldingen und St. Vith nach Raeren bei Eupen ab. Nach deren Stilllegung dient die Trasse als Fahrradpiste durch malerische, wilde und vielerorts mit Heidekraut bewachsene Landschaften. Die Piste wird jährlich von etwa 25 000 Radbegeisterten benutzt. Der Ausbau des Fahrradweges PC21 über Clerf nach Kautenbach ist im Bau beziehungsweise in der Planung.

Die Landwirtschaft prägt weiterhin den Charakter der Dörfer. Ebenso sieht Edy Mertens seine Gemeinde auf den kulturellen und sportlichen Ebenen gut aufgestellt.

Umwelt- und Denkmalschutz


Bürgermeister Edy Mertens sieht seine Gemeinde auf den kulturellen und sportlichen Ebenen gut aufgestellt.

In der Gemeinde Ulflingen befinden sich einige besondere Naturschutzreservate. So ist etwa das 150 Hektar große Feuchtgebiet „Cornelys Millen“ eines der wenigen Rückzugsgebiete für bedrohte Tierarten in den luxemburgischen Ardennen, oder etwa das Naturschutzareal „Conzeffenn“ bei Wilwerdingen.

In den allgemeinen Dorfentwicklungsplänen wurden 320 Immobilien als kommunal schützenswert eingeschrieben. Laut dem Gemeindeoberhaupt wolle man den ländlichen Charakter der Ortschaften bewahren. So wurden dem heutigen Zeitgeist mit Plattenbauten entsprechende Bauprojekte abgelehnt.

Die Abwässer aller acht Ortschaften werden in einer gemeinsamen neuen Kläranlage bei Ulfingen gereinigt.

Bei der Trennung von Kirche und Staat übernahm die Gemeinde Ulflingen eine Vorreiterrolle. Das Verwaltungsgericht gab ihrer Klage statt, den Unterhalt denkmalgeschützter Gotteshäuser weiterhin im Interesse ihres Erhalts finanziell bezuschussen zu dürfen.

Mit dem „Sentier des Passeurs“ wird all jener gedacht, welche unter dem Einsatz ihrer Leben ab 1943 Refraktäre, die sich dem Dienst an der Waffe in der Wehrmacht von Nazi-Deutschland entzogen, nach Belgien in den Untergrund schleusten. Während der Ardennen-Offensive im Dezember 1944 wurden alle Ortschaften der heutigen Gemeinde erheblich zerstört. Pierre Mousel (Text & Fotos)